Gesellschaft

Kinderlos – ein gesellschaftliches Stigmata

Es dauerte nicht lange nach meinem ersten Beitrag rund um immer weniger Akzeptanz Kindern gegenüber, bis das Argument meiner Kinderlosigkeit aufkam. Darf eine Ü30 Frau ohne Kinder überhaupt eine Meinung zu Kindern und noch schlimmer – zur Kindererziehung – haben? Ich sage ja, zumal ich eine zehn Jahre jüngere Schwester habe, deren Erziehung ich aus nächster Nähe miterlebt habe und eine sehr genaue Vorstellung davon habe, wie ich mein Kind erziehen würde. Und allein die Tatsache, noch kein Kind zu haben, bedeutet nicht automatisch kein Kind zu wollen oder Kinder per se nicht zu mögen.

Doch beobachte ich immer wieder, dass Paare die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, bestenfalls argwöhnisch in die Schublade „egoistischer Lebemensch“ gesteckt werden. Das trifft sicherlich auf viele Paare zu und mit Verlaub – was daran soll verwerflich sein, für sich rechtzeitig den Entschluss zu fassen bzw. ehrlich genug zu sein und dazu zu stehen, dass Windeln wechseln und nächtliches Fläschchen machen nicht mit den eigenen Zukunftsvorstellungen korrelieren? Ich gehe so weit zu behaupten, dass diese konsequente Ehrlichkeit oft besser ist, als aus einem gesellschaftlichen Zwang heraus doch ein Kind zu bekommen und schon in den ersten Wochen zu bemerken, dass man tief im Inneren nicht die persönlichen Voraussetzungen für die Elternschaft mitbringt.

Doch kommt es fast einem öffentlichen Outing gleich, für sich selbst entschieden zu haben, auf Kinder zu verzichten. Der Unmut ist einem dann sowieso gewiss. Wenn es hart auf hart kommt, sieht man sich im nächsten Moment gleich auch noch mit zahlreichen Schuldzuweisungen konfrontiert, wie beispielsweise an der Überalterung der Gesellschaft direkt schuld zu sein. Was zum Teil auch stimmt. Selbst höhere Steuern für kinderlose Paare wurden bereits diskutiert, da diese nichts zur Gesellschaft beitragen würden. Ausgerechnet eine Mutter brachte dann die Tabufrage, ob man es ohne Familie nicht besser hätte, aufs Tablett. Und da sind wir wieder an dem Punkt, an dem unsere Gesellschaft noch viel Luft nach oben hat. Warum sollte eine solche Frage überhaupt ein Tabu sein, ganz abgesehen davon, dass solche gesellschaftlichen Zwänge der beste Nährboden für Versagensängste und Depressionen sind. Warum steht es Eltern nicht zu, sich im stressigen Alltag wenn alles zu viel zu werden scheint, die Frage nach der Sinnhaftigkeit zu stellen? Und warum sollten Paare, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, dafür bestraft werden?

Die Gesellschaft ist einem ständigen Wandel unterworfen. Vor siebzig Jahren waren die Verhältnisse klar – der Mann, der Ernährer der Familie, geht zur Arbeit, während Frau Zuhause den Haushalt schmeißt. Versuchen Sie im Bekanntenkreis 2018 dafür zu werben, dass Sie als Frau Zuhause bleiben möchten – missgünstige Blicke sind Ihnen gewiss. Wer als Frau heute Zuhause bleiben und sich mit Haut und Haar um die Familie kümmern möchte, wird sofort in die Schublade „zu faul zum Arbeiten“ gesteckt. Und als Mann einer Frau die Zuhause bleibt, hat man es auch nicht besser und darf sich erklären, dass es eine bewusste eigenständige Entscheidung der trotzdem emanzipierten Frau war und man(n) ihr selbstverständlich gerne und aus eigenem Antrieb im Haushalt hilft.

Eine Powerfrau ist, wer 12 Stunden in der Chefetage den Männern diktiert wo es lang geht und Zuhause den Kindern die Algebra erklärt. Dass das nicht funktionieren kann, wird in der Realität erst dann klar, wenn man sich die Zahlen ansieht, wie viel Antidepressiva dieser Tage verordnet werden. Und dann erdreisten sich manche Frauen allen Ernstes dazu, sich dagegen zu entscheiden und sich beim Spagat zwischen Karriere und Kinder nicht das Genick brechen zu wollen. Völlig verständlich, dass solche Nestbeschmutzer auf wenig Gegenliebe treffen.

 

Im nächsten Beitrag schreibe ich trotz meiner Kinderlosigkeit von meiner Idee einer fast perfekten Kindheit und warum diese kaum noch möglich ist.

Wie ist Deine Meinung?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe. Datenschutz | Impressum

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Weitere Informationen

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies. Unser Tool hat bereits ein notwendiges Cookie gesetzt.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz. Impressum

Zurück